Archiv 2019

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Donnerstag 16. Mai '19    Einlass: 20:00  Beginn: 20:30  -  Jazzkeller 69 zu Gast in
AUFSTURZ   [Oranienburgerstr. 67]


Berlin Jazz Composers Orchestra JayJayBeCe

Leitung Christof Griese

„Wenn ein Ensemble mehr ist als die Summe der Akteure, dann ist oft ein Chef mit Führungsqualitäten im Spiel. Fetzige Bläsersätze und knackige Rhythmen fegen Big Band Vorurteile swingend beiseite.“
~ Der Tagesspiegel

jayjaybece

Das Berlin Jazz Composers Orchestra JayJayBeCe – ein etwas griffigeres Kürzel für JugendJazzBandCharlottenburg – wurde 1987 von Christof Griese an der Musikschule Charlottenburg, jetzt City West von Berlin gegründet.

Das einzigartige Konzept – junge MusikerInnen spielen ausschließlich Kompositionen Berliner Komponisten – führte zu Einladungen auf Festivals und zu Wettbewerben in Berlin, London-Lewisham, Norwich, Cardiff, Eindhoven, Kopenhagen, Leipzig, Nürnberg, Bingen, Dresden, Mexiko-Stadt, Stuttgart und Hoofddorp.

Bei der Bundesbegegnung „Jugend jazzt“ gewann JayJayBeCe 2010 als einzige Big Band gleich zwei Preise: den renommierten Skoda Jazz Preis (mit Dozenten eigener Wahl) und den Sonderpreis der Union Deutscher Jazzmusiker für die Interpretation eines zeitgenössischen Werkes.
2014″ in Stuttgart wurde der Förderpreis des Landes Baden-Württemberg gewonnen.
Beim Meer Jazz Festival in Hoofddorp Harlemermeer NL konnte JayJayBeCe den International Big Band Concours 2012 als „First Class First Prize Winner“ und 2013 als „Top Class First Prize Winner“ beenden.
Im Mai 2014 wurde die Bigband dort „Top Class Second Prize Winner“.

Seit 1998 tritt JayJayBeCe monatlich in der Konzertreihe des Jazzkeller 69 e.V. auf. Diese regelmäßigen Konzerte tragen wesentlich zu den Erfolgen der Band bei.

HOLZ
Nils Feldman – alto + sopran sax / Anton Kowalski – alto sax / Aaron Klenke, Sebastian Lange – tenor + sopran sax / Yannic Rösch – bariton saxs, bass clarinet
BLECH
Tobias Knebel, Elina Dalewski, Lina-Marie Batteux – trumpets
Laszlo Griese, Jan Ole Zabel, Simeon Prause – trombone / Alicia Sayell – tuba
RHYTMUS
Jakob Reisener – piano / Ettore Marangon – guitar / Per Moritz Buschmann – bass / Heinrich Eißmann – drums

saxart.de

 


Dienstag 14. Mai '19     21:00     Konzerthinweis
b-flat   [Dircksenstr. 40]


Keys & Screws Double Bass

keys_screws_double_bass

Thomas Borgmann – reeds
Christoph Winckel – double bass
Jan Roder – double bass
Willi Kellers – drums

Keys & Screws, Schlüssel & Schrauben, ist die Verzahnung der Trios von Thomas Borgmann & Willi Kellers mit den Bassisten Jan Roder als auch Christoph Winckel.
Die enge Zusammenarbeit von Borgmann & Kellers dauert schon knapp drei Dekaden, sei es in der Gruppe Ruf der Heimat mit Ernst-Ludwig Petrowsky oder im Trio Boom Box.
Naheliegend die Idee von Borgmann & Kellers sich mit zwei Bassisten in ein Quartett zu begeben, mit denen beide schon immer gerne im Trio gespielt haben.
Das Quartett begeisterte zuletzt beim Festival Peitz.

In den Biografien der vier Herren, tauchen die Namen Peter Brötzmann, Steve Lacy, John Coltrane, Pharoah Sanders, Ernst-Ludwig Petrowsky, Heinz Sauer, Albert Mangelsdorff, Willem Breuker, Fred Frith, Cecil Taylor, Borah Bergman, Alexander von Schlippenbach und die beiden wilden Kerle Frank Wright und Charles Gayle auf, als Spielgefährten, verehrte Idole oder Musiker, mit denen sie verglichen wurden – oder als all das zusammen.

Die musikalische Welt steten Aufbruchs, steten Abwägens alter und sich neu entwickelnder handwerklicher, formaler und klanglicher Traditionen, in der Thomas Borgmann, Jan Roder, Christoph Winckel und Willi Kellers erwachsen geworden sind, ist damit einigermaßen umrissen, was daraus bei diesem Quartett erwächst, aber keineswegs.
Denn hier entsteht aus den verschiedensten Anregungen eine Musik voller überraschender Wandlungen und enormer, absolut origineller Vielfalt.

„…auf dem Sopransax bewegte sich Borgmann in ausladenden Improvisationen und mit vollem, warmen Ton, auf von John Coltrane vorgezeichneten Spuren.
In ekstatischen Momenten lüpft er eine Ecke des Vorhangs zu einer anderen Welt.“
~ Michael Scheiner, Passauer Nachrichten

Willi Kellers: „…one of the players of our music in Europe!“
~ Cecil Taylor

thomasborgmann.de    winckel-bass.de    jan roder    willi kellers

 

 


Sonntag 12. Mai '19    Einlass: 15:00  Beginn: 15:30  -  Jazzkeller 69 zu Gast in
Industriesalon Schöneweide   [Reinbeckstr. 9, 12459  Berlin-Schöneweide]


Johannes Bauer fehlt – Memorial Werkstatt Orchester

Johannes BauerHeiner Reinhardt – tenor sax, bass clarinet
Frank Paul Schubert – sopran sax
Frank Gratkowski – alto sax
Gebhard Ullmann – flute
Christof Thewes – trombone
Lina Allemano – trumpet
Simon Jakob Drees – violin
Matthias Bauer – bass
Andreas Willers – guitar
Julie Sassoon – piano
Willi Kellers – drums

Am 6. Mai 2019 jährt sich der Todestag von Johannes Bauer zum dritten Mal.
Er war einer wichtigsten europäischen Posaunisten und Komponisten des Freien Jazz und der Improvisierten Musik.
Sein Posaunenspiel setzte in vielen Ensembles Maßstäbe.
Für den Jazzkeller Treptow bzw. Jazzkeller 69 e. V. war er war einer der relevanten Protagonisten. Von 1976 bis zu seinem Tod gab er 95 Konzerte, darunter mit international bekannten Kollegen, wie Jon Rose (1988), Clayton Thomas (2004), denen er erste Auftrittsmöglichkeiten in (Ost-)Berlin ermöglichte.
Sein eruptives Spiel, seine kraftvoll gestanzten Töne, die kompromisslos lautenden Ausbrüche machten ihn früh schon unvergleichlich.
Er wagte sich aber auch an gegenteilige Exzesse heran, indem er die Posaune wie zum Aushauchen brachte, mit Atemgeräusch spielte und dabei immer so betont ernsthaft blieb. Ihm ging es nicht darum als Solist alleine in der vordersten Reihe zu stehen.
Er wollte, dass alle Mitglieder einer musikalischen Formation als ein gelungenes Team zusammen Musik entwickeln.
Sein Ziel war es, dass jeder musikalische Moment zu einer spannungsgeladenen Dichte zusammenwächst. Er fügte in seinem Posaunenspiel immer das hinzu, was gerade in der Musik fehlte.
Auch wenn Johannes Bauers Posaunenstimme nicht zu ersetzen ist, hat sich der Jazzkeller 69 e. V. zur Aufgabe gemacht seine Ideen zu bewahren und zu pflegen.
Das elfköpfige Werkstattorchester setzt sich aus international bekannten Musiker zusammen, die eng mit Johannes Bauer zusammen gearbeitet haben, u. a. auch in Konzerten des Jazzkeller 69 e. V., und die mit seinen Improvisationstechniken und Kompositionsmodellen vertraut sind.

Johannes Bauers kompositorisches Schaffen umfasst ironisiert-verfremdete idiomatische Stücke in Hanns-Eisler’scher Tradition (Walzer, Märsche, „Jazz“), des Weiteren mehr oder weniger durchkomponierte Werke mit aleatorischen Aspekten, die sich eher der Neuen Musik zuordnen lassen, und graphische Notationen, die zwar theoretisch von nahezu jedem versierten Ensemble aufgeführt werden könnten, aber erst so recht zum Blühen kommen, wenn die beteiligten Musiker erfahrene Improvisatoren sind, da die durch die Notation gesetzten Freiräume nur dann entsprechend kreativ und inspiriert ausgestaltet werden können.
In dem neuenddeckten Stück Nr. 10 werden Elemente herkömmlicher Notation als graphische Zeichen verwendet. Über einen Timecode werden die einzelnen Aktionen gesteuert und so zu einer Art „gestischem Unisono“ geführt.

Jorgo Schäfer

Während des Konzertes:
live-actionpainting von Jorgo Schäfer

 

Das Industrieareal in Oberschöneweide gilt als größtes zusammenhängendes Industriedenkmal Europas. Im Industriesalon Schöneweide ist diese Geschichte sichtbar.
Elektropolis-Tour: Jeden Sonntag um 12 Uhr,Treffpunkt: Industriesalon

 

Und in unmittelbarer Nachbarschaft die Ausstellung:
Roger Melis I Die Ostdeutschen
Fotografien aus drei Jahrzehnten DDR

 

Gefördert von Musikfonds e. V.

musikfonds

 


Freitag 10. Mai '19    Einlass: 21:00  Beginn: 21:30  -  jazzkeller 69 stellt vor
AUFSTURZ   [Oranienburgerstr. 67]


SCHWARM 13

Max Stehle – alto sax, direction/ Ruedi Debrunner – clarinet, bass clarinet, direction / Jens Albrecht – sopran + bariton sax / Lothar Ohlmeier – bass clarinet, sopran sax / Heiko Löchel – bassoon / Tatjana Bielke – musical saw, voice / Gudrun Doberenz – voice / Conny Voss – voice / Matthias Lutz – voice / Hartmut Arweiler – guitar / Rosmarie Jäger – piano / Jana Göpper – violine, viola / Gerhard Übele – violine / Dietrich Petzold – violine, viola / Dale Rickert – cello / Klaus Kürvers – bass / Frank Fiedler – drums

SCHWARM 13 wurde 2014 vom Schweizer Klarinettisten und Komponisten Ruedi Debrunner und dem Berlin Saxophonisten Max Stehle gegründet und besteht aus 13-18 Musikern unterschiedlicher Couleur.
Durch intensive Proben mit offen strukturierten Stücken um die Begriffe Skulptur-Schwarm-Konversation hat das Ensemble eine eigene Ästhetik und ein klares Gefühl für die Formen und Bewegungen der eigenen Improvisationen gefunden.
Es überzeugt sein Publikum mit Klarheit, Vielseitigkeit, Spielfreude und Humor.

 

 


Dienstag 7. Mai '19    Einlass: 20:00  Beginn: 20:30  -  Jazzkeller 69 zu Gast in
AUFSTURZ   [Oranienburgerstr. 67]


Aufsturz-Jam Freebop / No Standards

willi kellers


directed by Willi Kellers

opening guests:

Jürgen Kupke – clarinet
Rieko Okuda – piano


Backline:
Ebach-Upright-Piano; Sonor-Drum-Set mit Becken; Gitarren-Amp: Fender Hot Rod Deluxe III; Bass-Amp: PJB Briefcase + Warwick Take12; No PA

Ende ca. 23:00 Uhr
Eintritt 5 € – Gilt als Getränkebon für Einsteiger bei Session

 

 

 


Freitag 3. Mai '19    Einlass: 21:00  Beginn: 21:30  -  jazzkeller 69 stellt vor
AUFSTURZ   [Oranienburgerstr. 67]


Kwestia & Traveling light

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Kwestia

kwestiaLaura Schuler – violin
Ronny Graupe – guitar
Alfred Vogel – drums

Die Stücke stammen hauptsächlich aus der Feder von Ronny Graupe und erschließen sich dem guten Zuhörer im Feld von klar strukturierter Komposition und freier Improvisation. Kammermusikalische Aspekte verschmelzen mit dichter und immer griffiger Improvisation, bei der sich das Trio ständig in Balance hält.
Kaum tritt ein Solist hervor – das Kollektiv ist hier wichtiger als wie der Einzelne. Und so schaffen die Drei eine phantasievolle, gleichermassen komplexe wie filigrane Musik.

KWESTIA ( = polnisch für “Frage”) verstehen sich als „band in progress“.
Ronny Graupe, der durch seine Arbeit mit Rolf Kühn, Lucia Cadotschs Yellow Bird oder etwa Gropper/Graupe/Lillinger (ehemalige Hyperactive Kid) bekannt ist, überzeugt hier mit seinem virtuos-einfühlsamen Spiel als auch erstklassiger und unkonventioneller Kompositionsarbeit.
Seine ehemalige Schülerin der Jazzschule Bern, Laura Schuler ist mit ihrem eigenen Quartett, u. a. mit Philipp Gropper, als auch Solistin mit einer beachtenswerten künstlerischen Haltung bekannt.
Diesem basslosen Trio gibt Alfred Vogel den percussiven Zusammenhalt und Boden. Seine Rhythmus-Teppiche sind bunt und vielschichtig, abstrakt und groovend zugleich.
kwestia

 

 

Traveling light

Ronny GraupeDaniel Glatzel – saxes, clarinet
Ronny Graupe – guitar
Oli Potraz – bass

Dieses Trio begann die Zusammenarbeit zunächst mit dem Ziel, die Musik von Jimmy Guiffres Trios zu erforschen.
Der Komponist und Multiinstrumentalist Jimmy Giuffre vereinigte in seiner Musik der 50er Jahre einen wunderschön melodiösen Westcoast Swing mit Blues und erstaunlich leichtfüßiger Abstraktion.
Dabei sind seine Arrangements für verschiedene Triobesetzungen aus dieser Zeit formvollendete Meisterwerke, die es erlauben klarste Strukturen mit tiefgründigen Improvisationen zu verbinden.
Inspiriert davon flossen Eigenkompositionen ins Repertoire mit ein. Formen, freies Spiel, Soli, Duos, Trios stehen je nach momentaner Auseinandersetzung im Fokus des musikalischen Prozesses.
Dabei kann Daniel Glatzel seinen Hintergrund als Komponist und Arrangeur des Andromeda Megaexpress Orchesters in dieser Kleinstbesetzung als Kammermusiker neu ausformulieren.
Ronny Graupe verbindet hier seinen zeitgemäßen Bebopansatz mit großer Spontaneität, Ernsthaftigkeit und Respekt der Musik gegenüber und Oliver Potratz bringt die Ergebnisse seiner aus der Praxis mit diversen Bands kommenden, tiefgehenden und vielseitigen musikalischen Grundlagenforschung hier kraftvoll und impulsiv ein.

 


Sonntag 28. April '19




Jazz am Kaisersteg
Kultursommer im Garten – 50 Jahre Jazzkeller Treptow

15. + 29. Juni, 13. + 27. Juli, 10. August  2019
jeweils 19 – 22 Uhr       draußen & fast gratis

OH!-KESTER OSLOER 3, Oliwood, Michael Griener Quartett, Stoffner/Lovens/Mahall, Handsome Couple & DJ illvibe, K3, Süden, Instant Songs, Helmut Forsthoff Band & Uschi Brüning, Auditiver Wahnsinn, Kosack und Ullmann …

Open Air Bühne am Kaisersteg, Hasselwerderstr. 22a, Berlin-Oberschöneweide

( S-Bahn Schöneweide: RB 24, S8, S9, S41, S42, S45, S46, S47, S85, Bus 65, N65, N67 I Brückenstraße: Tram 21, 37, 60, 67, M17, N67 I Firlstraße (über Kaisersteg): Tram 27, 60, 62, 63, 67, 68, N67 )
Jazzkeller 69 e.V. mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, der IG Jazz Berlin, des Bezirksamtes Treptow-Köpenick, Fachbereich Kultur und Museum, dem Fachbereich Facility Management, der BVV des Bezirks Treptow-Köpenick, der Bürgerstiftung Treptow-Köpenick, dem Zentrum für Demokratie Treptow-Köpenick, dem Jugendschiff „ReMiLi“ – Projekt der Einhorn gGmbH, dem Projekt „Laib und Seele“ der Christuskirche Berlin-Oberschöneweide
und von vielen ehrenamtlich engagierten Bürger*innen.

 

Liebe Jazz-Freunde,

Improvisation ist eine Haltung: Wer improvisiert, agiert frei. Er oder sie überschreitet die Grenzen des Vorgegebenen und Dagewesenen. Improvisationen entstehen im Knistern des Moments, sie sind ungeplant und unvorhersehbar, aber keinesfalls beliebig.
Denn wer improvisiert, reagiert auch immer auf seinen Kontext. Im Falle der freien Musik ist es das Klang- und Tonmaterial, ist es das Spiel der Mitmusikerinnen und Musiker, aber auch die Stimmung des Publikums.
Erstmals Zeuge eines solch vibrierenden Free Jazz Moments wurde ich als Zehntklässler in Weimar. Die freien Töne und der Free Jazz haben mich seitdem nicht mehr losgelassen.

Freitagabende im Treptower Jazzkeller waren für mich so selbstverständlich gesetzt wie Fahrten zur Jazzwerkstatt Peitz, nach Leipzig oder Dresden. Es sind genau diese Institutionen – und damit meine ich nicht nur die Orte, sondern vor allem auch das Herzblut ihrer Manager wie Uli Blobel, Götz Lehmann, „Assi“ Glöde und der vielen anderen – die der freien Improvisation in der DDR mit viel Leidenschaft und Einfallsreichtum ihre Räume eröffnet haben.

In einem Staat, der den Konformismus zum höchsten gesellschaftlichen und ästhetischen Prinzip erklärt hatte, zelebrierte der Free Jazz eine Form gelebter Individualität.
Wir alle, egal ob auf der Bühne oder auch davor, waren sehr selbstbewusst dabei, unser jeweils “ richtiges Leben im falschen” zu führen.
In diesem Sinne war die frei improvisierte Musik nicht nur Kunst allein, sondern immer auch eine Form von Aktion und Aktivismus.

Wenn wir in diesem Jahr nun 50 Jahre Jazzkeller Treptow zurückblicken, dann feiern wir also nicht nur eine der weiterhin wichtigsten Adressen der Berliner Jazz-Szene, sondern auch eine spezifische Form autonomer Selbstbehauptung.
Die DDR mag mittlerweile Geschichte sein, die Improvisation aber bleibt als Lebenshaltung.
~ Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

 

In eigener Sache:

JAZZ, nur vier Buchstaben, aber jeder von uns stellt sich darunter etwas anderes vor.
Eine Definition gibt es nicht. Die Vielfalt der Stile geht ineinander über und ist unübersichtlich.
Aber darum geht es nicht. Wichtig ist die Spielhaltung der Musiker, die Energie, die von der Bühne kommt. Diese soll sich an das Publikum übertragen.
Das funktioniert nur, wenn die Besucher, sich Zeit zum Zuhören zu nehmen, denn unbekannte Klänge erschließen sich nicht in 1´30 Minuten.
Diese Musik ist wie das Leben, nicht immer einfach. Nicht alles muss gefallen, aber in ungezwungener Atmosphäre können Vorurteile überprüft werden und mit den Musikern gesprochen werden.

Wir haben auf dem Nachbargrundstück – Hasselwerderstr. 22 a – neue Partner gefunden, nachdem die moving poets Berlin GmbH, als internationale Gemeinschaft von Künstlern und Kreativen verschiedener Disziplinen, Kulturen und Altersgruppen, uns 2018 die Zusammenarbeit gekündigt haben – unsere Veranstaltungen passen plötzlich nicht mehr in deren künstlerisches Novilla-Konzept – schade und auch unverständlich.

Antragsfristen zu Fördermitteln sind bei der Suche nach Lösungen – neue Spielstätte – verstrichen, neue Förderer haben unsere Anträge nicht oder nur teilweise unterstützt.
Deshalb mussten wir das Programm einschränken. Trotz Einsatz unserer Preisgelder aus dem Spielstättenprogrammpreis APPLAUS, ist die Finanzierungslücke nicht zu schließen.

Deshalb möchten wir Euch zu den Konzerten um Spenden bitten.

Vielen Dank an unsere Unterstützer: Der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, der IG Jazz Berlin, des Bezirksamtes Treptow-Köpenick, Fachbereich Kultur und Museum, dem Fachbereich Facility Management, der BVV des Bezirks Treptow-Köpenick, der Bürgerstiftung Treptow-Köpenick, dem Zentrum für Demokratie Treptow-Köpenick, dem Jugendschiff ReMiLi – Projekt der Einhorn gGmbH, dem Projekt „Laib und Seele“ der Christuskirche Berlin-Oberschöneweide und den vielen ehrenamtlich engagierten Bürger_innen.

Ich wünsche uns schönes Wetter.
Wolf-P. „Assi“ Glöde, Vorsitzender Jazzkeller 69 e. V.

 


Samstag 27. April '19


Bilder vom Konzert „Johannes Bauer fehlt “ am 12. Mai 2019

Während des Konzerts gab es ein live-actionpainting von Jorgo Schäfer

Die dabei entstandenen Bilder sind auch käuflich zu erwerben direkt bei Jorgo.

 

 

 

 


Freitag 26. April '19    Einlass: 21:00  Beginn: 21:30  -  jazzkeller 69 stellt vor
AUFSTURZ   [Oranienburgerstr. 67]


L_D_P_L

Urs Leimgruber – sopran + tenor sax
Jacques Demierre – piano
Trio LDPBarre Phillips – bass
special guest:
Thomas Lehn – analogue synthesizer

CD release auf Jazzwerkstatt:
„LEIMGRUBER_DEMIERRE_PHILLIPS_LEHN WILLISAU“

Seit Jahren arbeiten Urs Leimgruber, Jacques Demierre, Barre Phillips im drummerlosen Trio.
Und gehen damit – Evan Parker sagt es in den kurzen „liner notes“ – den langen Weg bis zum legendären Jimmy Guiffre Trio zurück.
Damals ging es um eine nie gehörte Leichtigkeit, den Impressionismus im Jazz, getupften Klang. Leimgruber, Demierre, Phillips finden ihre Schönheit am andern Ende des Raumes.
In der radikalsten Variante der Improvisation, die keine Rücksicht auf konventionellen Aufbau und Fortschreiten eines Themas legt, in der es gleich um den entkernten Inhalt geht.
Um das Evozieren und Festhalten des flüchtigen Ereignisses. Und das gelingt zauberhaft.

Im Anschluss an die Welttournee 2015/16 lanciert das Trio LDP verschiedene Residenzen mit internationalen Gastmusiker, u.a. spielt das Trio zusammen mit Thomas Lehn am Jazzfestival Willisau 2017.

Mit Thomas Lehn kommt ein herausragender Musiker dazu, der sich auf die Anwendung analoger Synthesizersysteme konzentriert, die einen direkten Zugriff auf die einzelnen Elemente der elektronischen Klangsynthese und damit ein unmittelbares Agieren und Reagieren im Struktur- und Gestaltprozess live aufgeführter Musik gestatten.

Mit Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

prohelvetia

 


Freitag 26. April '19


Eine Hommage, kein Gedenkkonzert: „Winter’s Welcome“

Ungewollt wurde das Konzert mit einer Reihe Berliner Musiker aus der mikrotonalen Klang-Avantgarde und dem Free Jazz zu einer warmherzigen Hommage an den britischen Jazzrock-Pionier und –komponisten Keith Tippett, der aufgrund einer schweren Verletzung der Wirbelsäule nicht zur Uraufführung seiner Suite „Winter’s Welcome“ für Blechbläser, Baß und Schlagzeug nach Berlin kommen konnte.

Das Werk war von Zinc & Copper, eine Vereinigung zur Förderung Neuer Musik für Blechblasinstrumente (Kernbesetzung: Robin Hayward Tuba, Hilary Jeffery, Posaune und Elena Kakaliagou Horn), beauftragt worden.
Tippett führte Anfang der 1970er Jahre jene stilbildende Gruppe kreativer Musiker an, die mit den Erfahrungen des Free Jazz eine rhythmisch geradlinigere, gleichwohl mit allen denkbaren Freiheiten (bis hin zu romantischen Melodien) ausgestattete Jazzstilistik entwickelten, die nur unzureichend mit „Jazzrock“ bezeichnet werden kann.
Viele dieser Musiker ergänzten die Stammbesetzungen von King Crimson und Softmachine.

Tippetts neue Komposition, beinahe 50 Jahre später, schloß nahtlos daran an. Das von jeher Tippett eigene Stilkonglomerat lebte erfrischt auf, erfrischt durch die Erfahrugen von fünf Jahrzehnten Neuer Musik, von Geräuschkontrolle bis zur äußersten Verfeinerung des harmonischen Denkens.

Ausgehend von der Keimzelle aus 4-Ton-Folgen des Kontrabasses entfaltete sich die ganze Vielfalt des Tippettschen Musik-Universums mit atemberaubender Rasanz.
Mit Flügelhorn, Horn, Posaune und Tuba hatte man keine Bigband vor Augen, wohl aber vor Ohren.
Tippett beherrscht als Komponist die Kunst der Bigband-Komposition für kleine Ensembles, wie sie auch Oliver Nelson oder Gil Evans gegeben war.
Sogar die wiedererkennbare Melodik Tippetts flammte auf, bevor turbulente Kollektivimprovisationen wie ein knisterndes Hitzegewitter (draußen strahlte ein ungewöhnlich warmer Februar-Nachmittag) darüberhinfegte.

Bemerkenswert der den Musikern von Zinc & Copper auf den obertonreinen Musikleib geschriebene langsame Satz, der auf die Eruptionen der vorigen Abschnitte mit komplexen in äußerster Konzentration hervorgebrachten harmonischen Wendungen antwortete.
Diese verwandelten sich in eine wohlklingende Elegie – bis andere Abschnitte rhythmisch prägnantere Aufgaben bereithielten. Die haarigen Taktwechsel schufen, da überraschend, einen rhythmischen Raum, wo vorher ein harmonischer war, Gitterstrukturen geradezu, die schließlich sogar das Gerüst für solistische Exkursionen (niemals ohne Orientierung: Hilary Jeffery auf der Posaune) bildeten.

Im zweiten Teil des Konzerts war eine Improvisation mit weiteren Jazzern, u.a. Tobias Delius, Saxophon, geplant, an der Tippett am Klavier hätte teilnehmen wollen – er wurde für diesmal kongenial ersetzt durch seine in Berlin lebende Landsmännin Julie Sassoon, deren gelenkiges, unruhiges Spiel mit harten Attacken eine unüberhörbare, vielleicht aus diesem Anlaß besonders forcierte Verwandtschaft mit des Meisters Spielweise offenbarte.
~ Matthias R. Entreß (http://www.entresz.de/)