jazzkeller 69 e.V.

Jazz an der Lohmühle XIV
Kultursommer im Treptower Norden

18. Juni - 13. August  2016
jeweils 19 - 22 Uhr       draußen & gratis

Die Nichtregierungsorganisation SODI informiert auch in diesem Jahr an einem Infostand
über seine entwicklungspolitische Arbeit und sammelt Spenden für Kleinbauern in der DR Kongo.
Der Aufbau einer Kaffeekooperative ermöglicht Menschen, die in extremer Armut leben, ein würdevolles
und selbstbestimmtes Leben.
(www.sodi.de)

Open Air Bühne Lohmühlenstraße / Ecke Kiefholzstr. (am Landwehrkanal)
( Bus 194 / S Treptower Park, Bus 104, 165, 166, 171, 265 / U Görlitzer Bhf. )
Kulturbanausen e.V. in Zusammenarbeit mit Jazzkeller 69 e.V. und der Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten

Jazz an der Lohmühle ist auch in diesem Sommer ein lohnenswertes Pilgerziel für musikinteressierte Berliner und ihre Gäste.
Draußen und gratis werden in der romantischen Umgebung des Wagendorfes Lohmühle am Landwehrkanal in Berlin-Treptow wieder international anerkannte Berliner Solisten und Ensembles Musik zwischen moderner Folklore und zeitgenössischem Jazz vorstellen.

Der Jazzkeller 69 e.V. als Veranstalter kann in diesem Jahr auf 46 Jahre Jazz in Treptow zurückblicken. Unterstützt werden die Konzerte von der Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und dem Kulturbanausen e.V.

Die Lohmühle – Ein Schaufenster für den Berliner Jazz

Die Lohmühlenkonzertreihe ist wichtig! Denn sie bietet eine einzigartige Möglichkeit, umsonst und ohne Schwellenangst einmal reinzuschnuppern, was Berliner Jazz heute Vielfältiges auf höchstem internationalem Niveau zu bieten hat.

Die Berliner Jazzszene blüht. Sie hat sich in den letzten Jahren zum Anziehungspunkt für zahlreiche MusikerInnen aus ganz Europa, den USA, Kanada und einigen weiteren Ländern entwickelt.
Das zeigt sich auch in der Herkunft vieler MusikerInnen unserer diesjährigen Konzertreihe.

Viel Geld ist zwar nicht in Berlin zu verdienen, aber Mieten und Lebenshaltungskosten sind (noch!) relativ günstig. Es gibt verhältnismäßig viele Auftrittsmöglichkeiten. Es gibt einen riesigen Pool exzellenter MusikerInnen für die unterschiedlichsten musikalischen Projektideen.
In der Berliner Jazzszene herrscht eine große Offenheit, auch über den Jazz hinauszudenken, wieder etwas künstlerisch zu wagen und auch die unbequemeren, anspruchsvolleren Traditionen, wie den Free Jazz, lebendig weiterzuentwickeln.
Hier kann ausprobiert und experimentiert werden. Alles das macht Berlin als Jazzstadt attraktiv.

Diese Ausgabe der Lohmühlenkonzertreihe zeigt aber auch sehr gut, dass künstlerischer Anspruch keinesfalls Unterhaltung im besten Sinne und schrägen musikalischen Humor ausschließen muss.
Und, dass Lust am künstlerischen Experimentieren nicht im Gegensatz zur Pflege der Jazztraditionen stehen muss.

Die Lohmühlenkonzertreihe kann so dazu beitragen, weit verbreitete Vorurteile über aktuellen Jazz zu überprüfen. Sie erreicht dabei ein etwas anderes Publikum als das der Jazzclubs, da Zufallsgäste aus den angrenzenden Parks neugierig vorbeischauen.
Sie hat so vielleicht schon etwas dazu beigetragen, dass das Jazzpublikum hier wieder wächst und sich zu verjüngen beginnt.
Sie ist damit auch für die MusikerInnen interessant, um auszuprobieren, wie ihre Programme bei heterogenerem Publikum ankommen.

Die musikalische Offenheit, weit über alle jazzpuristischen Grenzziehungsversuche hinaus, beweisen auch dieses Jahr wieder die vorgestellten Bandprojekte.
Jazz war schließlich immer schon `Bastardmusik´, in der sich Vieles mixte und in der Flüchtlinge aus musikalisch beengten oder sonst wie bedrückenden Verhältnissen willkommen waren, wie etwa der Bassist Johnny Dyani, der aus dem südafrikanischen Apartheidstaat kam und die europäische Jazzszene bedeutend mitprägte.

JazzmusikerInnen mit einer Basis in Berlin kommen aber nicht nur von fast überall her. Sie unterhalten auch vielfach Bandprojekte mit KollegInnen aus anderen Jazzmetropolen.
Dafür steht diesjährig beispielhaft der Umlaut-Label-Abend, gewidmet einem selbstorganisiertem Label mit Sitzen in Paris, Berlin und Stockholm, mit Auftritten zweier Ensemble mit Musikern aus Paris und Berlin.

Während internationale Kooperationen mit Berliner MusikerInnen zunehmen und im Ausland das Jazzpublikum und die aktiven Jazzer vermehrt neugierig auf Jazz aus Berlin blicken, findet diese quicklebendige, hoch produktive Blüte des Jazz in unserer Stadt jedoch weitgehend unbemerkt von den etablierten Medien, einschließlich der Jazzpresse, statt.
Auch deswegen ist die Lohmühlen-Konzertreihe wichtig, um sich gebündelt umschauen zu können, welche fantastische Musik in Berlin täglich in den Clubs zu hören ist.

Dieser besonderen Sommerkonzertreihe ist aus allen diesen Gründen ein langes Leben zu wünschen. Doch um dies gegen die neoliberalen Spardiktate abzusichern, ist beständiges Engagement, wie von der IG Jazz, nötig.

~ Matthias Oberg, Musik- und Politikwissenschaftler, freier Journalist und Mitglied des Jazzkeller 69 e.V.

 

Samstag 18. Juni 2016  - jazzkeller 69 präsentiert - 19 Uhr:
Open Air Bühne Lohmühlenstraße / Ecke Kiefholzstraße
Jazz an der Lohmühle



Themroc 3

ThemrocRichard Koch – trumpet
Christian Reiner – vocal für Benjamin Weidekamp
Michael Griener – drums

Drei wohlerzogene junge Männer führen jahrelang tagein, tagaus ein bescheidenes, unauffälliges Leben als Jazzmusiker, bis sie sich eines Tages plötzlich zusammenrotten, um Ruhe und Ordnung für immer hinter sich zulassen.
Mit der entfesselten Urgewalt der Geknechteten nehmen sie ihr Schicksal in die eigene Hand und machen mit dem Jazz, was sie wollen, denn er ist zu alt und schwach, um sich zu wehren.
Einzig die kurzfristige Befriedigung ihres Spieltriebs ist es, was sie antreibt und sie schrecken nicht davor zurück, dem schamlos in aller Öffentlichkeit nachzugehen.
Mit archaischen Lauten, deren Sinn und zwingende Notwendigkeit sich auch dem Unbedarftesten zwangsläufig erschließt, suhlen sie sich im Morast der Jazzgeschichte, stets in der Hoffnung, ihn wieder in fruchtbaren Boden zu verwandeln.
THEMROC 3 macht klar, dass man manchmal aus der Haut fahren muss, um wachsen zu können.

michaelgriener.de

 

 

Lina AllemanoLina Allemano Europe Quartet

Lina Allemano – trumpet
Uli Kempendorff – reeds
Christian Weber – bass
Michael Griener – drums

Die kanadische Trompeterin wurde in Europa vor allem mit ihrem Free Jazz-Quartett „Lina Allemano Four“ bekannt – eine Band die in der Presse gern auch mal mit Ornette Colemans legendärem Quartett mit Don Cherry verglichen wird.
Die Vier erkunden unverbrauchtes akustisches Gelände, dem eine höchst vielschichtige Klangpalette zugrundeliegt.
Nicht Kompositionen und Konzepte stehen im Mittelpunkt, sondern eine spontane und kollektive Herangehensweise die auf den ausgereiften musikalischen Persönlichkeiten und mannigfaltigen handwerklichen Möglichkeiten der Bandmitglieder aufbaut.

Das Online-Magazin ‚Point of Departure‚ nennt Allemanoone of the most exciting new voices of the last few years‚.

linaallemano.com

 

 

Joe Sachse Foto: Gerd Adloff

Old Masters

Helmut „Joe“ Sachse – guitar, percussion
Günter „Baby“ Sommer – drums, percussion

Free Jazz in der DDR – Weltniveau im Überwachungsstaat” ist treffend eine Ausstellung der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung benannt.
Zu diesem Free Jazz auf höchstem Niveau und doch auch großer Originalität trugen wesentlich „Joe“ Sachse und Günter „Baby“ Sommer mit ihren unverwechselbaren Spielweisen bei.

Außerordentliche Virtuosität und größter Einfallsreichtum bestimmen nach wie vor ihr Spiel.
Diese beiden Altmeister haben nicht aufgehört, neue Klangmöglichkeiten auszuloten.
Doch das tun sie immer mit viel musikalischem Witz, ob nun „Joe“ Sachse die Hits von Jimi Hendrix oder den Beatles neu erfand oder Günter „Baby“ Sommer sein Drum Set mit Alltagsgegenständen und Materialien erweiterte, sind sie nur irgendwie betrommelbar.
Im Zusammenspiel der beiden Altmeister potenziert sich ihr kreativer musikalischer Humor sicherlich.

babysommer.com
helmut-joe-sachse.de

 

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Samstag 2. Juli 2016  - jazzkeller 69 präsentiert - 19 Uhr:
Open Air Bühne Lohmühlenstraße / Ecke Kiefholzstraße
Jazz an der Lohmühle



Absolutly Sweet Marie: „Another Side Of Blonde on Blonde“

Absolutly Sweet MarieSteffen Faul – trumpet
Matthias Müller – trombone
Alexander Beierbach – tenor sax
Max Andrzejewski – drums

Bob Dylans “Blonde on Blonde” war ein Meilenstein. Ein guter Grund für das Berliner Quartett, das ganze Album neu zu vertonen.
Doch nicht wie eine gewöhnliche Cover-Band. Wer in der Creative-Jazz- und Free-Jazz-Szene zu Hause ist, der lässt sich schon ein bisschen mehr einfallen: Wie Dylan aus diversen US-amerikanischen Roots-Musiken nicht nur durch die Elektrifizierung etwas Neues schaffte, so gelingt auch der Berliner Band, mit ihrer Re-Aneignung durch „Jazzifizierung“ etwas Neues ertönen zu lassen.

Wie Dylan, durchaus traditionsbewusst. So sind in den Bläserklängen starke Anklänge an moderne New Orleans Brass Bands unüberhörbar.
Wie bei diesen Bands grooven die Rhythmen ordentlich und sind oft funky.
Doch ebenso sind die Bläserarrangements auch von der Subtilität des modernen Creative Jazz bestimmt und lassen dennoch genügend Raum für freie Soli, welche die drei Bläser exzellent und individuell zu gestalten wissen.
Seid darauf gespannt, wie viel Ihr von den alten Dylan-Songs überhaupt noch wiedererkennen werdet!

alexanderbeierbach.de

 

 

john schröderThis is not my dog

John Schröder – guitar
Daniel Bödvarsson – guitar
Philipp Gropper – tenor sax
Oliver Potratz – electric bass
Christian Marien – drums

Americana-Roots-Anklänge sind auch im Spiel des Isländers Daniel Bödvarsson zu hören.
John Schröder ist ein Phänomen für sich, als exzellenter Gitarrist, wie ebenso guter Schlagzeuger und Pianist.
Sein Gitarrenspiel pendelt zwischen expressiv rockig und sehr free-jazzig, zwischen sich im Vordergrund mit großer Virtuosität viel Raum nehmend und subtil mit großem Klangreichtum begleitend.

Philipp Gropper, ein Meister der Multiphonics, überzeugt zumeist durch ein eher intellektuelleres Spiel und intelligent aufgebaute Soli.
Christian Marien spielt mit großer Klangvielfalt und versteht es, Rhythmen immer wieder neu zu zerlegen und neu aufzubauen, stets hellwach reagierend und Akzente setzend.
Oliver Potratz ist nicht nur ein ausgezeichneter, sehr vielseitiger Bassist.
Seine originellen Kompositionen sind für diese sehr unterschiedlichen Individuen geschrieben und werden mit seinem Bassspiel zusammengehalten.

 

 

yellowbirdmusicYellow Bird

Manon Kahle – vocals, fiddle, ukulele, banjo
Lucia Cadotsch – vocals, percussion
Uli Kempendorff – clarinet, bass clarinet
Ronny Graupe – guitar, bass guitar, bass, banjo
Michael Griener – drums, spoons, percussion

Alternative Country, Bluegrass, viele weitere amerikanische Folk & Roots-Musiken und eine gut abgestimmte Prise Jazz verbinden Yellow Bird.
Dabei kommt Manon Kahle gar nicht direkt aus den Appalachen, sondern aus Vermont, Lucia Cadotsch gar aus der Schweiz und zusammengefunden hat die Band in Berlin.
Doch die schönen Stimmen der beiden klingen wie aus den Appalachen, ebenso Kahles vielseitiges Spiel auf der Fiddle, der Ukulele und dem Banjo.
Aber, wie der Bourbon bei einer guten Steaksauce aus Tennessee, sorgt die Prise Jazz für den gewissen Pfiff, – gut abgestimmt und nichts übertönend, aber diese besondere Country Band unverwechselbar machend.
Dafür sorgen Ronny Graupes subtile, sehr vielfältige Klangkultur, Michael Grieners Schlagzeugspiel, der gar nicht anders kann, als traditionell schlichtes Bummtschak immer wieder neu zu diversifizieren und Uli Kempendorffs tolle jazzige Soli.
Verblüffend, wie gut sich seine Bassklarinette, nicht eben traditionell, oft als Kontrabassersatz in den einzigartigen Gruppensound einfügt.
Diesen drei bleibt eben doch anzuhören, dass sie sonst in zahlreichen Bands der kreativen Berliner Jazzszene zu Hause sind.

yellowbirdmusic.de

 

 

Samstag 16. Juli 2016  - jazzkeller 69 präsentiert - 19 Uhr:
Open Air Bühne Lohmühlenstraße / Ecke Kiefholzstraße
Jazz an der Lohmühle



Umlaut label night

umlautrecords.com

 

Cape Doctor – the music of Johnny Dyani

Louis Laurain – trumpet
Tobias Delius – tenor sax
Pierre Borel – alto sax
Hannes Buder – guitar
Joel Grip – bass
Hannes Lingens – drums

Der Bassist Johnny Dyani kam 1964 mit den legendären “Blue Notes”, mit Louis Moholo, Mongezi Feza, Nick Moyake, Dudu Pukwana und Chris McGregor nach Europa.
Weil im südafrikanischen Apartheidstaat ein „gemischtrassiges“ Auftreten nicht mehr möglich war, blieben sie im Exil.
Der auch musikalische Freiheitsdrang Dyanis und seiner südafrikanischen Kollegen brachte sie schnell mit den führenden europäischen Free Jazzern der Zeit zusammen.
Ihre Bedeutung im europäischen Jazz ist gar nicht zu überschätzen.
Brachten sie doch den damals stark von der Neuen Musik beeinflussten europäischen Jazzavantgardisten wieder bei, dass man auch als Free Jazzer durchaus mal eine hübsche Melodie und gar einen sogar tanzbaren Groove einbauen darf.
Dyani spielte mit unzähligen Creative-Jazz-Größen, wie Roscoe Mitchell, Archie Shepp, Steve Lacy, Don Cherry, Roland Kirk, Irène Schweizer und John Tchicai, aber sagte über sich, im Grunde spiele er moderne Volksmusik.
Die Melodien und Rhythmen seiner heimischen Kultur, der Xhosa, blieben auch in seinem freiesten Spiel präsent.
Sein voluminöser Sound, seine innovative Spielweise, seine Kompositionen waren einzigartig. Er starb im Oktober 1986 in Berlin.

Tobias Delius hat noch mit einem anderen Großen der Südafrikaner im europäischen Exil gespielt, mit dem 2012 verstorbenen Sean Bergin, der auch an der Lohmühle zu erleben war, u. a. mit Kompositionen von Johnny Dyani.
Mit ihrer Gruppe Umfundisi mit Matthias Schubert pflegen sie dessen Erbe.
Zu erleben am 21. August bei NoVilla als Lohmühlen-Nachlese.

 

 

umlaut Bigband umlaut Bigband (Paris-Berlin)

REEDS
Pierre Antoine Badaroux (direction), Tobias Delius, Pierre Borel, Paul Roth, Benjamin Dousteyssier – saxes, clarinets
BRASS

Brice Pichard, Louis Laurain, Emil Strandberg – trumpets
Johannes Lauer, Michael Ballue – trombones

RHYTHM
Bruno Ruder – piano / Romain Vuillemin – guitar / Joel Grip – double-bass / Antonin Gerbal – drums

Noch weiter in der Jazzgeschichte zurück geht die musikalische Reise mit dieser vorwiegend Pariser Big Band.
Die durchwegs ausgezeichneten Musiker sind zwar alle sonst im modernen Jazz, im Free Jazz und der Avantgarde beheimatet.

Mit diesem Orchester erwecken sie jedoch den Big-Band-Swing der 20er bis frühen 40er wieder, als Duke Ellington, Fletcher Henderson und das Casa Loma Orchestra, aber auch viele heute weniger bekannte Orchester in Paris große Erfolge feierten und europäische Bands ihnen nacheiferten.
Sie spielen die alten Kompositionen in Originalarrangements. Diese Zeitreise ist umso interessanter, da sie auch viel weniger Bekanntes ausgegraben haben, von Amerikanern in Paris, wie auch von Europäern.
Sie wird überzeugend und lebendig, weil auch in den Soli dieser exzellenten Musiker die großen Solisten der Swing-Ära wiederauferstanden zu sein scheinen.

umlaut-bigband.com

 

 

Samstag 30. Juli 2016  - jazzkeller 69 präsentiert - 19 Uhr:
Open Air Bühne Lohmühlenstraße / Ecke Kiefholzstraße
Jazz an der Lohmühle



Gropper/Sandsjö/Sundland/Steidle

Philipp GropperPhilipp Gropper – tenor sax
Otis Sandsjö – tenor sax
Dan Peter Sundland – bass
Oli Steidle – drums

Gerade durch die doppelte Besetzung erreicht das Quartett mit den zwei Tenor Saxophonen eine besondere Spannung, denn Philipp Gropper und der Schwede Otis Sandsjö klingen in Sound und Spielweisen völlig unterschiedlich.
Doch beide eint, dass sie bei aller Virtuosität nicht am Kräftemessen in der `Tenor Battle´ vergangener Jazzzeiten interessiert sind.
Ihnen geht es stattdessen um die Entwicklung eines eigenen Gruppensounds, ob in den Kompositionen aller Quartettmitglieder oder in kollektiven Improvisationen.
Der Norweger Dan Peter Sundland am E-Bass und Oli Steidle verstehen es, sowohl sensibel zu Klangcollagen beizutragen, als auch ab und zu mächtig Druck zu machen.

Nicht nur die Traditionen des Free Jazz, sondern auch Einflüsse aus der Neuen Musik bilden den Hintergrund. Doch dieser Avantgarde hört man jederzeit die große Spielfreude an.

 

 

Paul Schwingenschlögl & Baba DangoPaul Schwingenschlögels Counterblast

Paul Schwingenschlögl, Armando Carillo – trumpet, fluegelhorn
Jan von Klewitz – alto sax
Helmut Forsthoff – tenor sax
Rainer Bachmann – guitar
Antonis Anissegos – wurlitzer
Gerhard ‚Kubi‘ Kubach – bass, bass guitar
Zam Johnson – drums
Arsène Cimbar – percussion
Baba Dango – vocal
guest: Arvid Maier – trumpet / Pedro Vera – tenor sax

Einst wusste Chris McGregor mit seinen legendären Brotherhood of Breath südafrikanischen Township-Jazz mit zu seiner Zeit modernsten Big-Band-Sounds und viel freier Improvisation kongenial zu verbinden.
Paul Schwingenschlögl gelingt heute mit Counterblast die Verbindung von aktuellem Afro-Beat und zeitgenössischen Jazzorchesterklängen, von anspruchsvollen eigenen Kompositionen, packenden Arrangements und viel freier Improvisation.

Für moderne Big Bands zu schreiben, hat er von einigen der Besten gelernt, in Workshops mit Gil Evans, George Russell, Bill Dixon und Michael Mantler.
Aber längst hat er seine eigene Sprache gefunden und mit Counterblast ein Orchester geschaffen, dass sie kreativ und sehr lebendig werden lässt.

 

 

 

Samstag 13. August 2016  - jazzkeller 69 präsentiert - 19 Uhr:
Open Air Bühne Lohmühlenstraße / Ecke Kiefholzstraße
Jazz an der Lohmühle



Parrot’s Feathers

matthias schubertMatthias Schubert – saxes
Antonio Borghini – bass
Rudi Fischerlehner – drums

Matthias Schubert und Antonio Borghini sind beide herausragende freie Improvisatoren, die immer wieder zu überraschen wissen.
Voller verblüffenden Wendungen sind aber auch ihre Kompositionen. Schuberts oft mit Nähen zur zeitgenössischen Neuen Musik, aber, wie sein Improvisationsstil, mit sehr expressiver Ausdruckskraft, während in Borghinis alles passieren kann und alles im selben Stück, quer durch die gesamte Jazztradition und weit darüber hinaus: Eben ist man noch im Freebop, da landet man auch schon überraschend in einer barocken italienischen Tarantella und schon grüßt Duke Ellington oder Charles Mingus, überleitend in eine hübsche, sehr italienische oder südafrikanische, scheinbar alte Folk-Melodie.
Und doch klingt alles nie bloß notdürftig zusammengeklebt, sondern als fließende Einheit auf dem fortgeschrittensten Materialstand des zeitgenössischen Jazz.

Klar, dass die Kompositionen solch herausragender Musiker auch viel Freiraum zur Improvisation lassen, sie anspruchsvoll sind, aber sehr lebendig klingen.
Zudem haben sie sich mit Rudi Fischerlehner einen äußerst treibenden, stets für sehr viel Drive sorgenden Drummer ausgewählt.
So wird dieser Abschlussabend sicherlich höchst energiereich beginnen.

 

 

Vorwärts RückwärtsVorwärts Rückwärts

Maike Hilbig – bass
Johannes Fink – cello
Gerhard Gschlößl – trombone

Kammerjazz vom Feinsten bietet dieses Trio.
Traditionell ist weder die Instrumentenkombination in dieser intimen Triobeschränkung, noch sind es die Kompositionen, die von allen drei stammen.
Dennoch ist die Jazztradition allgegenwärtig und es swingt mit einer entspannten, freundlichen  Leichtigkeit, wie sie nur große Könner erreichen.
Da entschwindet schnell die Aufmerksamkeit dafür, wie raffiniert sich die drei Stimmen filigran und dicht verschränkt ergänzen, so selbstverständlich wirkt es.
Zudem ist der farbliche Zusammenklang dieser drei Instrumente warm und wunderschön.

Johannes Fink ist hörbar kein bloß mal gelegentlich zum Cello greifender Kontrabassist.
Sein Spiel klingt hier etwas wie eine längst überfällige Würdigung des ersten hauptberuflichen Jazzcellisten Fred Katz, hier nur sanft gelegentlich z.B. mit Glissandi einstreuend, dass das Cello inzwischen im Jazz angekommen ist und seit dem Westcoast-Cellisten einiges passiert ist.
Gerhard Gschlößl klingt hier oft wie die großen Posaunisten Ellingtons, besonders im Spiel mit Dämpfern.
Dann streut er aber auch auf freundliche Weise viel Moderneres ein, bis zu witzigen Geräuschen.
Die junge Kontrabassistin kann mühelos auf Augenhöhe mitspielen.

troubleintheeast-records.com

 

 

Nikolaus Neuser 5tetNikolaus Neuser Quintett

Nikolaus Neuser trumpet
Silke Eberhard – saxes
Gerhard Gschlössl  – trombone
Jan Roder – bass
Bernd Oezsevim – drums

Nikolaus Neuser ist ein außerordentlich virtuoser Trompeter. Mit diesem Quintett überzeugt er nun auch als Bandleader und Komponist.
Da alle anderen ihm an Virtuosität nicht nachstehen, Neuser, Eberhard und Gschlößl zudem durch langjähriges Zusammenspiel in z.B. Eberhards Ensemble „Potsa Lotsa“ bestens aufeinander eingespielt sind, gelingt es ihnen souverän, sich durch Neusers Kompositionen aus immer wieder neu zusammengesetzten Motivcollagen voller Wendungen und ständiger Rhythmuswechsel zu spielen.
Das alles auch noch in freier Tonalität und zumeist ungeraden Metren.
Das klingt quirlig und bleibt doch gleichzeitig immer klar durchhörbar, freundlich, witzig und unanstrengend.
Außerdem entfaltet dieses Quintett nahezu durchgehend einen enorm packenden Drive.
Nicht nur dadurch wird man oft an Ornette Coleman erinnert, gelegentlich stellen sich auch Nähen zu Eric Dolphy ein.

 

 

 

   

 

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