Archiv 2012
Alles vor November 2008 unter » der alten Seite « !!!
Donnerstag 24. Mai 2012 - Einlass: 20:00 Beginn: 20:30 - jazzkeller 69 stellt vor
AUFSTURZ [Oranienburgerstr. 67]
Berlin Jazz Composers Orchestra JayJayBeCe
Wenn ein Ensemble mehr ist als die Summe der Akteure, dann ist oft ein Chef mit Führungsqualitäten im Spiel.
Fetzige Bläsersätze und knackige Rhythmen fegen Big Band Vorurteile swingend beiseite.

JayJayBeCe – ein etwas griffigeres Kürzel für JugendJazzBand Charlottenburg – wurde 1987 von Christof Griese an der Musikschule Charlottenburg gegründet.
Das einzigartige Konzept – junge MusikerInnen spielen ausschließlich Kompositionen Berliner Komponisten – führte zu Einladungen auf Festivals in Berlin, London – Lewisham, Norwich, Cardiff, Eindhoven, Kopenhagen, Leipzig und Nürnberg.
Die – teilweise mit Preisen versehenen – Kompositionen sind (nicht nur) für diese jungen MusikerInnen wahre Herausforderungen.
1992 gewann JayJayBeCe den 1. Preis beim Deutschen Orchesterwettbewerb in Goslar und 1995 den Studioprojekt Wettbewerb in Berlin (durch den die Produktion der CD Vol.III ermöglicht wurde).
Gewinner des Skoda- Sonderpreises für Jugend Bigbands 2010. Da die Juroren die modernen Eigenkompositionen beeindruckten wurde ein zweitätiger Workshop mit einem Dozenten eigener Wahl ausgelobt.
Mit ihrem Konzept errang das Orchester zusätzlich den Preis der Union Deutscher Jazzmusiker für ein zeitgenössisches Werk. www.skoda-kultur.de
Beim diesjährigen Berliner Orchestertreff am 17.9.2011 im FEZ Wuhlheide hat Jay Jay Be Ce den ersten Platz in der Kategorie E – Big Bands belegt und darf damit als Vertreter Berlins am Deutschen Orchesterwettbewerb 2012 im Mai in Hildesheim teilnehmen.
saxes
Nils Feldmann, Sophia Steilen – alto sax / Laurenz Welten, Anna Tsombanis – tenor sax / Andres Reifgerst – bariton sax
brass
Tobias Knebel, Lisa Buchholz, Frida Beck, Arvid Maier – trumpet
Jörg Marschall, Jan Ole Zabel – trombone / Justine Thomsen – bass trombone
rhythm
Jonathan Morgenstern – piano / Johannes Jungnickel – guitar / Jakob Heyer – bassguitar / Leon Griese – drums
conductor
Christof Griese
Freitag 18. Mai 2012 - Einlass: 21:00 Beginn: 21:30 - jazzkeller 69 stellt vor
AUFSTURZ [Oranienburgerstr. 67]
Planet Microjam
David Fiuczynski – guitar
Utar Artun – keyboards
Justin Schornstein – bass
Alex Bailey-drums
An der Kreuzung afroamerikanischer Rhythmen und microtonaler Harmonien mit östlichen melodischen und Impro-Konzepten finden sich neue musikalische Ideen am Horizont.
Gestützt auf einzigartige Elemente der westlichen klassischen Mikrotonalität und ethnischen Volksmelodien in einem Jazz / Groove Zusammenhang sind unerhörte Harmonien und Kontrapunkte möglich.
Was MicroJam von anderer mikrotonaler Musik unterscheidet, ist seine Methode der Organisation.
Im Gegensatz zu anderen microtonalen Ansätzen liegt bei MicroJam das mikroTONALE.
Die Betonung liegt auf mikrotonalen Harmonien, die auf modalen Jazz beruhen.
Neue harmonische Farben lassen sich durch Stapelung ausdrücken, zum Beispiel lässt sich ein arabischer Maqam in Akkorde auf Drittel oder Viertel teilen, die über einem tonalen Zentrum basieren.
Mit anderen Worten: Die Harmonien werden von einer mikrotonalen Skala abgeleitet. Dies leitet sich nicht aus östlichen Musiktraditionen oder moderner klassischer Musik ab. In unserem immer kleiner werdenden globalen Dorf könnten durch die globalen MicroJams neue musikalische Formen entstehen?
Mein besonderes Anliegen ist ein Sound, roh, mit einfachen, aber reichhaltigen Inhaltsstoffen wie ein Gauguin Gemälde – eine rohe, leistungsstarke, extrem bunte Mischung aus östlichen und westlichen Elementen.
Ich wurde ursprünglich angezogen durch die herzzerreißenden Rufe zum arabischen Gebet, die außerhalb unserer Zwölftonstimmung liegen und die man auf keinem Klavier finden kann.
Besonders hervorheben möchte ich die African American rhythmischen Innovationen für die Kirche, die starken Einfluss auf den modernen R´n´B haben.
Für mich induzieren diese Schläge immer ein Gefühl der unerklärlichen Hoffnung.
Meine Planet MicroJamz werden afroamerikanische Rhythmen in einer neuen Weise hervorheben und zeigen, was wir der Black Music verdanken.
~ David Fiuczynski
Freitag 11. Mai 2012 - Einlass: 21:00 Beginn: 21:30 - jazzkeller 69 stellt vor
AUFSTURZ [Oranienburgerstr. 67]
Carl Ludwig Hübsch’s Capital Skeleton Selection
Das Konzert muss leider ausfallen. Der Klub wurde andersweitig vergeben.
Freitag 4. Mai 2012 - Einlass: 21:00 Beginn: 21:30 - jazzkeller 69 stellt vor
AUFSTURZ [Oranienburgerstr. 67]
Frode Gjerstad Trio
Frode Gjerstad – clarinets, alto sax
Jon Rune Strøm – bass
Paal Nilssen-Love – drums
“Das Frode Gjerstad Trio gibt es zwar schon seit 1999, mit dem Bassisten Jon Rune Strom allerdings erst seit 2011.
Frode Gjerstad ist Urgestein der skandinavischen Jazzszene, spielte in den 80ern im Trio mit John Stevens und Johnny Dyani und gründete 1985er sein großformatiges Circulasione Totale Orchestra.
Arbeit und Aufnahmen mit William Parker, Brötzmann, Hamid Drake, Dudu Pukwana, Han Bennink, Derek Bailey undundund stehen da in der Biografie.
Die Musik des Trios steht in der freien Jazztradition im Sinne von Mingus, Coleman, Coltrane, Dolphy, lässt aber natürlich als rein norwegische Band auch Einflüsse europäischer Improvisationsmusik anklingen.”
~ Blue Tomato, Wien ~
Mit freundlicher Unterstützung:
Freitag 4. Mai 2012
| Jazz an der Lohmühle X Kultursommer im Treptower Norden 2. Juni – 11. August 2012 Wir sammeln Spenden für traditionelles Saatgut zur Ernährungssicherung in Südafrika (www.sodi.de) Open Air Bühne Lohmühlenstraße / Ecke Kiefholzstr. (am Landwehrkanal) |
Jazz an der Lohmühle ist auch in diesem Sommer ein lohnenswertes Pilgerziel für musikinteressierte Berliner und ihre Gäste.
Draußen und gratis werden in der romantischen Umgebung des Wagendorfes Lohmühle am Landwehrkanal in Berlin-Treptow wieder international anerkannte Berliner Solisten und Ensembles Musik zwischen moderner Folklore und zeitgenössischem Jazz vorstellen.
Der Jazzkeller 69 e.V. als Veranstalter kann in diesem Jahr auf 42 Jahre Jazz in Treptow zurückblicken. Unterstützt werden die Konzerte vom Kulturamts des Bezirksamts Treptow-Köpenick und dem Kulturbanausen e.V.
Editorial
Wir leben in stürmischen Zeiten. Arabischer Frühling, Occupy, Piraten. Und vor einem halben Jahr meldete sich sogar noch eine Initiative von Jazzmusikern zu Wort die sich bessere Bedingungen und Bezahlung wünschte für ihre – immerhin künstlerische – Arbeit.
Da blies ein ordentlicher Gegenwind durchs Feuilleton. Von ‚SZ’ bis ‚Freitag’ wurde die „gesamtgesellschaftliche Relevanz des Jazz“ bezweifelt, der entweder in Avantgarde-Frickelbuden vor esoterischem Publikum oder als weichgespültes Festival-Event stattfinde.
Die ‚Zeit’ schrieb klug abwägend: „Eine Revolution im Sinne einer sozialen Bewegung kann nicht gefördert werden. Die Kunst, die sie auslösen kann, und die Bedingungen der Künstler und Musiker, die sie schaffen, hingegen schon“ und Jazzpianist Michael Wollny kam im Interview mit der ‚Welt’ zu dem Schluß: „Das Problem ist, dass oft versucht wird, in vorauseilendem Gehorsam das Publikum nicht zu enttäuschen.
Mehr Mut zum Eckig-Kantigen und zum Moment, der uns schon zeigen wird, was passiert – das wäre eine Position, von der aus ich sagen würde, der Jazz hat Relevanz.“
Zur gleichen Zeit geht der »Jazz an der Lohmühle« in sein Jubiläumsjahr. Ungerührt von der „Jazzdebatte“? Wohl kaum. Die Open-Air-Konzerte bei freiem Eintritt werden nicht nur durch den Einsatz des Jazzkeller 69 e.V. ermöglicht, sondern auch durch die öffentliche Förderung durch den Bezirk Treptow-Köpenick. Doch in das grob gestrickte Argumentationsmuster mag das über den Sommer gestreckte Jazzfestival nicht passen.
Seine Heimatbühne liegt im Wagendorf Lohmühle – wo Kreuzberg und Alt-Treptow, Landwehrkanal und Görlitzer Park zusammenfinden: von weltentrücktem Elfenbeinturm kann hier sowenig die Rede sein wie von nichtssagender Häppchen-Kultur.
Ganz im Gegenteil: hier findet Jazz auf Augenhöhe mit seinem Publikum statt: viele der Musiker sind Nachbarn, leben in Neukölln, Kreuzberg, Treptow, Friedrichshain.
So treten hier bei insgesamt sechs Konzertabende alle wichtigen Schlagzeuger Berlins auf. Und die gehören wie ihre Kolleg_innen an den anderen Instrumenten zur international vernetzten Szene der improvisierenden Musik. Sie haben – wie ihre Zuhörer_innen auch – viel zu erzählen, bringen Freunde aus aller Welt mit.
So stellt »Jazz an der Lohmühle« wieder einmal ein Programm auf die Bühne, nach dem sich Fans anderswo die Finger lecken.
Angefangen bei der All-Star-Besetzung »Christian Lillinger 4-tett«, die hier erstmals zu hören sein wird (der Schlagzeuger wurde erst mit dem Jazz Echo ausgezeichnet) , über das in Frankreich gefeierte »Clarinet Trio« (das Jazz d’Or-Festival kreiierte eigens ein deutsch/französisches Doppeltrio) bis hin zu Potsa Lotsa, jener Hommage an den in Berlin gestorbenen Eric Dolphy, die in den USA, dem Heimatland des FreeJazz-Heroen so begeistert aufgenommen wurde.
Dass Sean Bergin auch dieses Jahr wieder nach Berlin kommt, macht alle Beteiligten bei »Jazz an der Lohmühle« besonders stolz.
Nicht nur, weil der ins niederländische Exil gegangene Saxofonist zum Urgestein des südafrikanischen Jazz zählt – mit zahlreichen Verdiensten um die Entwicklung des Jazz in Europa, sondern weil er hier in Christian Lillinger seinen neuesten „Friend“ kennenlernte (siehe Konzert am 14. Juli).
Die Frage, ob das relevant sei, kann nur stellen, wer sich weigert, zuzuhören. Gunter Hampel, der in New York und Berlin lebt und arbeitet, hat folgendes zur »Jazzdebatte« beigesteuert: „Mündige Jazzhörer kriegt man – wie im Fußball – nur durch echte Begeisterung.“
Die Antwort von der Lohmühle lautet: Wir sind schon dabei!
~ Tobias Richtsteig

